Eine Russischlektion

„Zielstellung dieses Filmes war für mich, dem unkundigen europäischen Zuschauer innerhalb von 15 Minuten einen gefühlsmäßigen Eindruck für das Leben in einem russischen Heim für schwerst mehrfach behinderte Kinder in Russland zu vermitteln, wie ich es selbst aus meinem Freiwilligen Sozialen Jahr kenne.

Wichtig war mir eine behutsame Annäherung an die fremde Welt des Heimes über zunächst vertraut wirkende Bilder. Ein Bahnsteig, die archetypische Filmaufnahme des einfahrenden Zuges. Eine junge deutsche Frau namens Bianca wird als Protagonistin vorgestellt. Sie setzt sich in den Zug, eine Landschaft eilt am Fenster vorbei. Die Off-Stimme erklärt, dass Bianca ihre Urlaubszeit für die Beschäftigung mit Heimkindern verwendet. Nachdem eine ungefähre geographische Verortung und die wichtigsten Informationen gegeben sind, verschwinden Off-Stimme und Protagonistin für eine Weile.

Da die Kinder nicht sprechen können, bleibt auch der weitere Film weitgehend stumm. Eine Interaktion zwischen den Kindern findet kaum statt, Bezugspersonen sind höchstens die Heimangestellten, die sich um Ordnung, Sauberkeit und Verpflegung kümmern. Eine starke emotionale Bindung besteht zu Bianca. Sie widmet sich den Kindern liebevoll, kann jedoch nicht bei allen gleichzeitig sein. Bianca leistet das, was man „Freiwilligenarbeit“ nennt, weil man es eben irgendwie nennen muss. Dabei ist es eine der wenigen Tätigkeiten, die sich schwer nach Plan erfüllen lassen. Der Begriff „Arbeit“ ist unzureichend, und alle anderen Begriffe passen auch nicht.

Wie sie in den Film einführt, begleitet sie den Zuschauer auch heraus. Bianca ist die Mittlerin. Man sieht sie den Text eines Audio-Sprachkurses nachsprechen, über dessen banalen Inhalt sie in Gelächter ausbricht.“ (E.L.).

Dokumentarfilm, 2007, 15 Min. Produziert im Rahmen des Kurzfilmwettbewerbs „All humans are born free and equal…” vom ‘Fonds Erinnerung und Zukunft’ und dem ‘Goethe Institut’ Kamera: Mohammad Al-Khiami Ton: Alexander Dudarev

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